Portaging..Das waren die zwei härtesten Tage in meinem Leben glaube ich. Vorsichtshalber hab ich meine Kamera nicht mitgenommen, weil mir das vom letzten Ereignis zu heikel war. Demnach gibt es leider keine Bilder von der Tour. Was etwas schade ist, weil wir doch das ein oder andere Highlight, wie die Nordlichter, festhalten hätten können.
Den Moment genießen hieß es also. Sofern man es „genießen“ nennen kann. 😀 In den zwei Tagen hab ich so ziemlich alle Emotionen gefühlt, die es wohl gibt. Von motiviert zu schmerzen, über super glücklich bis hin zu stinkwütend. Klingt anstengend? War’s auch! 😛
Zur Orientierung: Wir sind in ziemlich in der Mitte von Saskatchewan, im Prince Albert National Park.
Ich weiß gar nicht, wie ich das kurz fassen soll. Ich versuch’s mal.
Also, da man online nicht für einen Campingplatz reservieren kann (was später noch eine Rolle spielen wird), sind wir morgens direkt zum Center, haben allerdings um paar Minuten unseren Spot nicht mehr buchen können. Im Nachhinein sehr gut und sollet so sein!
Weil’s so früh war, wollten wir dann für den Tag die lange Route paddeln, also die Insel vom Osten, hoch und im Westen dann das Zelt aufschlagen. Ziel war Lily Lake.
FOTO KARTE
Gestartet sind wir bei Nr. 12, dort haben wir unser monströses Kanz mit Sach und Pack ins Wasser gelassen.
Aber anstelle stromaufwärts – also nach rechts – zu rudern, sind wir nach links, mit dem Strom (vielleicht, weil uns das unterbewusst leichter erschien?).
Wir sind also fröhlich für Stunden auf’m Waskesiu Lake unterwegs gewesen. Das einzelne Auto, welches wir auf der Kingsmere Road hören haben können, kam uns spanisch vor, hat uns aber nicht weiter beschäftigt. Sicherheitshalber haben wir einem Motorboot, die gefischt haben, zugerufen, ob wir auf dem Kingsmere Lake sind. Dann sind mehrere Groschen gefallen. Wir waren schon seit vier Stunden unterwegs und mussten alles wieder zurück. Bis wir dann bei Nr. 11 gelandet sind und auf die Karte geluschert haben und dachten, wir sind am „Southend“ (Nr. 11!!!) gelandet. Wir haben es innerhalb von drei Stunden zurück geschafft. Das Boot kam uns dann nochmal hinterher, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei und wollten uns Bescheid geben, dass sie jetzt nach Hause fahren werden und nicht mehr auf’m See sind.
Da es allmählich später wurde und demnach auch bald dunkel, hab ich Josh klar gemacht, dass ich NICHT mehr die lange Strecke rudern kann und auch nicht versprechen kann, dass ich das Morgen schaffe. Ich war nämlich mittlerweile schon echt am abkratzen.
Am Ausgangspunkt wieder angekommen, hatten wir ne Auseinandersetzung. Rückblickend – über ein halbes Jahr später – ist das vermutlich die größte Herausforderung, die wir in den ganzen zwei Monaten hatten. Und man mag vielleicht meinen, dass es schon anstrengend werden kann, wenn man für mindestens acht Wochen auf maximal zwei Autositzen bzw. einer nicht mal 120cm breiten Matratze seine Zeit zu zweit verbringt. 😀
Naja, jedenfalls sind wir dann doch losgerudert, dass das ganze sich noch mehr zuspitzt, hätte man auch nicht erwartet. Schande, dass wir das nicht per Video oder wenigstens mit Fotos festhalten konnten. Neben der Tatsache, dass es dann allmählich immer dunkler wurde, hatten wir auch die Schwierigkeit, den richtigen Teil des Sees zu finden, wo es zum nächsten See (Clare Lake) übergeht. Mit einem schwarzen X war ein „Weg“ gekenntzeichnet. Fluch und Segen, dass eine andere Familie – Papa, seine zwei Söhne und deren Opa – mit zwei Kanus plötzlich auftauchten. Ich erinner mich noch genau an die Szene. Ne Drohne wär auch genial gewesen, ich saß/steckte nämlich alleine im Kanu, inmitten von Gestrüpp, Gräsern und Halmen, als Josh sich zu Fuß aufmachte, durch’s Wasser watete, um den Weg zu erkunden. Die Familie hatte mich – meiner scheinbar hilflosen Situation wegen – zurecht gefragt, ob alles gut bei mir sei. Als Josh mit dem Satz „I hope you like mud“ zurück kam, musste ich erstmal tief durchatmen. An den zwei Tagen bin ich soweit aus meiner Komfortzone raus, dass ich schon wieder bisschen stolz bin. 😀
Der ältere Herr, 78 Jahre, hat schon einige Kanujahre auf’m Buckel und hat uns gefragt, ob er uns einen Tipp geben darf, wie man es am Besten kopfüber transportiert. Als wir es ausgeräumt hatten und er es dann schwuppdiwupp ALLEINE über sein Kopf gehievt hatte, ist er schon los marschiert und wir standen ganz verdaddert und beeindruckt da. Da schrei ich sicherlich nicht, neiiiiin ich will das selber machen! 😀 Unsere Aufgabe war also nur noch unser ganzes Equipment von A nach B zu tragen und über Stock, Stein und Wurzeln zu stolpern, bis wir beim Matsch ankamen.
Wir sind durch den teilweise knietiefen Pfad gestampft, bis ich irgendwann so angeekelt war, das ich einfach nicht weiter konnte. 😀 Dunkelheit, irgendwelche Zweige und Gräser im Sumpf zwischen meinen Zehen, ist einfach nix für mich. Großer Dank geht an Josh raus, ich durfte ins Kanu hüpfen und er hat mich gezogen.
Nachdem wir das irgendwie gemeistert haben, die Familie hat zum Glück gesagt, dass sie uns nicht alleine lassen und sie dann auf uns warten. Denn wir landeten ja jetzt erst auf’m Clare Lake. Ehrlich gesagt hatte ich mir schon bildlich vorgestellt, wie wir im Boot schlafen werden, weil wir unseren Campground einfach nicht finden werden. Immerhin hatten wir ne kleine Dose vom Kanuverleih mit an Bord, mit ner kleinen Taschenlampe, die wirklich hilfreich war.
Irgendwie war’s super gruselig, aber andererseits war’s mit der beste Moment überhaupt. Sternenklare Nacht, mitten auf’m See irgendwo in Kanada und der Loonie ruft im Hintergrund. ❤
Nachdem wir weiter gerudert sind und beim nächsten X für die zweite Passage angelangt sind, wusste ich auch nicht mehr ob ich weinen oder lachen sollte. Immerhin war es kein matschiger Weg, sondern ein verwurzelter Waldweg, den wir offensichtlich mit getragenem Kanu zurücklegen mussten. Fragt mich nicht, wie er das Kanu alleine tragen kann, das tut weh, ist ultra anstregend und macht meiner Meinung nach keinen Spaß. 😀 Mittlerweile war’s dann wirklich auch stockdunkel, damit man auch schön über jede Wurzel gestolpert ist. Auch schön, das ganze nochmal zu durchleben, wenn man es schreibt und es wirklich bildlich vor Augen hat. 😀
Als wir dann endlich am nächsten See, unserem Zielsee – Lily Lake -, angekommen sind, ging es nur noch darum, dass wir unseren Campground finden. Irgendwie. Warum ich Fluch und Segen gesagt hab, mit der Familie? Segen, weil sie uns wirklich geholfen haben und ich persönlich auch froh war, dass sie aufgekreuzt sind. Fluch, weil wir während der gemeinsamen Zeit rausgefunden haben, dass sie die Gebühr nicht gezahlt hatten und somit keinen offiziellen Campingplatz hatten. Nachdem dann n Spruch wie „Ihr könnt ja mal schauen wo der andere Campingplatz ist, wir nehmen den. Ihr braucht aber nicht wieder zurück kommen.“ kam, waren wir wirklich mega genervt. Dank unserer Suche nach dem anderen Campingplatz haben wir aber die Nordlichter gesehen. Das war eine wunderschöne Belohnung!! Dieser Moment war so einzigartig! Mitten in der Nacht auf nem kleinen See zu treiben, die Nordlichter zu sehen und im gleichen Moment sein Stück Waldboden zum Schlafen geklaut zu bekommen. 😀 – Wir sind wieder zurück, hatten mitgeteilt, dass wir nichts finden, aber sie hatten sich natürlich schon breit gemacht. Wir hatten unser Zelt daneben aufgebaut und wirklich gut ausgerüstet waren wir hierfür ja auch nicht. Wieder ohne Schlafsack und nur einer Decke, haben wir uns dann später „eingekuschelt“.
Man sollte meinen der nächste Tag kann ja nur noch besser werden. Ich hab direkt gesagt, dass ich nicht den selben Weg zurück möchte, ich möchte nicht nochmal 2x passagieren und durch Matsch waten. Der Lily Lake und Bagwa Lake sind zum Glück mit einer Wasserstraße verbunden gewesen, was es wirklich im ersten Moment sehr angenehm gemacht hat. Als wir dann auf dem großen Kingsmere Lake angekommen sind, hatte uns die Familie vor Aufbruch noch hingewiesen, dass es da manchmal sehr stürmisch werden kann und wir aufpassen sollen. Ja gut, da muss man zugeben, das hat nicht so gut geklappt. Auch hier wieder, Segen, dass wir den erfahrenen Herren am Vortag getroffen hatten. Es war sowas von windig und wir hatten uns nicht getraut quer zu den Wellen zu rudern. Das hat leider dazu geführt, dass wir immer mehr und mehr in die Seemitte gelangt sind. Durch die Wellen und meine immer schwächer werdenden Arme hab ich mir irgendwann nicht mehr zugetraut, dass wir das alleine schaffen. Wie es der Zufall wollte, hatte uns der 75-jährige entdeckt und kam mit seinem Neffen angerauscht. Er hatte unsere Kanus mit einem Seil verbunden und wir sollten im gleichschritt rudern wie sie es tun. Hätten wir gewusst, dass man tatsächlich fast waagerecht zu den Wellen ohne weiteres paddeln kann, hätten wir das wohl auch schon eher gemacht. Im Nu waren wir am Ufer und ich völlig mit den Nerven am Ende! Danach ging’s wirklich nah am Ufer zurück, bis wir endlich am Ausgangspunkt wieder angekommen sind und somit zurück bei Susi.
Was ich etwas fahrlässig finde, statt dass wir den Mitarbeitern vom National Park mitteilen sollen, dass wir wieder heil zurück sind und wir den Park jetzt verlassen werden, hätten wir selbst jemandem zu Hause bescheid geben sollen, nur lustig, dass man gar keinen Empfang hat. Wäre also bei diesem riesen Abenteuer tatsächlich etwas passiert, wer hätte das denn mitbekommen sollen!? – Naja, nicht weiter drüber nachdenken, ist ja zum Glück gut ausgegangen und bleibt aufjeden Fall für immer in Erinnerung! Mit allen Höhen und Tiefen, nicht wahr Josh? 😉 Also wenn uns das nicht ganz dicke zusammengeschweißt hat, weiß ich auch nicht. 😀
Ohne groß durchschnaufen zu können, ging’s direkt weiter, circa 4,5 Stunden nach Saskatchewan, Hudson Bay, auf die Fir River Ranch. Das ist meine letzte Hoffnung auf Pferdespaß gewesen. Fir River Ranch ist ein Bed & Breakfast mit Pferden, Hunden, Whirlpool und ganz viel Spaß bei der Arbeit gegen Kost und Logis! Wir hatten uns die Farm für eine Woche rausgesucht, aber ziemlich schnell, so an Tag 1 :D, wurde ich schon enttäuscht und mir wurde die Hoffnung genommen, dass ich wohl doch nicht reiten darf. Arrrgghhh, ich hatte zu Josh gesagt, dass wir von mir aus auch doch schon eher abreisen können und dafür noch irgendwo nen Park mitnehmen und wandern gehen. Wir sind dann aber doch geblieben und hatten auch so eine schöne Zeit. Wir haben wirklich nette Leute kennengelernt! Abends sind wir dann noch im Whirlpool das ein oder andere mal gelandet und haben dann zum zweiten Mal die Nordlichter gesehen! Ach ich vermisse Kanada, das war wirklich eine wunderbare und unvergessliche Zeit, die ich definitiv nicht missen möchte! Audrey, die Besitzerin der Ranch, hat auch täglich für gute Laune gesorgt!
BILDER FIR RIVER RANCH
Die Woche ging natürlich auch super schnell vorbei, wie es halt immer so ist. Danach mussten wir uns auch tatsächlich schon auf’n Weg nach Toronto wieder machen, weil Josh seine Führerscheinprüfung hatte. Keine Sorge Mama und Papa, er hatte einen gültigen Schein. 😀 In Ontario isses nur nicht mit einer Prüfung getan, wie bei uns, das sind mehrere Etappen und nu war die finale Prüfung. 🙂
Wir hatten in Thunderbay nochmal gestoppt, weil wir uns das Denkmal von
Was richtig cool war, wir sind ja wirklich von Ost nach West nen anderen Weg gefahren als auf dem Rückweg. Daher haben wir wirklich verschiedene Flecke von Kanada gesehen und haben die Reise bestens ausschöpfen können.
Das war wirklich nur ein kurzer Zwischenstopp in Toronto, hat Susi schon wieder nach uns gerufen und wir sind losgezischt Richtung Osten, Nova Scotia. Auch wenn uns da kein großes Abenteuer erwarten wird, wollten wir dennoch ein Paar Tage dort mit seinem Bruder verbringen, der in Halifax mit seiner Freundin wohnt.
Eine Registrierung online war notwendig, damit wir überhaupt in die Provinz einreisen durften – wir sind ja während der Corona Pandemie unterwegs gewesen. Neben den Angaben wo und warum wir uns dort aufhalten wollen mussten wir auch zusichern, dass wir uns in Quarantäne begeben werden. Außerdem war es uns nicht gestattet, dass wir uns groß in New Brunswick aufhalten. Also wenn hungrig, dann nur Drive through, die einzige Ausnahme, wann wir aus’m Auto durften, war wenn wir auf die Toilette mussten. Daher hieß es durch rasen, bis wir bei der Grenze zu Nova Scotia waren. Bis nach Halifax war es uns zu weit um es in einem Rutsch zu fahren. Irgendwann waren wir etwas verzweifelt, dass wir in irgendnem Parkplatz mit nem grellen Licht unsere Bettdecke aufgeschlagen haben. 😀
Die folgenden Tage bei seinem Bruder waren sehr entspannt, dadurch, dass wir auch nicht raus durften, haben wir die Bude gehütet und ich hab die flauschige Katze gekrault, bis sie kein Bock mehr hatte. :p
Als es dann auch hier Abschnied nehmen hieß, hatten wir noch drei seiner Tanten besucht. Bei ner Tassen Tee und Keksen, hatten wir einen netten Nachmittag in kleiner Runde. 🙂
Bevor wie in Toronto ankamen, hatten wir uns natürlich nochmal nach einem Schlafplatz umgesehen und das war nochmal ein schöner Abschluss, bevor es wieder in die Zivilisation und in Alltag zurück geht. Wir sind ca. 10 Minuten auf Schotterweg in einen Wald gefahren um zu dem in der App angegebenen Platz zu kommen. Mitten im Wald will ich halt auch nicht alleine sein, aber es war n schöner Abschluss. 🙂
Somit sind wir tatsächlich am Ende von Across Canada angekommen. Es fühlt sich ehrlich wie ein Traum an. Ich vermiss die Zeit arg und bin gleichzeitig sehr stolz auf mich, dass ich den Schritt gewagt hab, mit allem was davor und währrenddessen dazugehört hat. Das war die beste Entscheidung überhaupt und auch wenn ich durch Corona nicht alles so machen konnte, wie ich mir das ausgemalt hatte, hab ich doch die Zeit unfassbar gut genutzt und jede Menge gewonnen. Vor allem ganz viel Wärme im Herzen. Hihihihi.
Wie es weiter ging, bis heute, fasse ich vielleicht nochmal zusammen. Mal sehen. 🙂 – vielleicht wird das jetzt mein kleines unregelmäßiges Tagebuch. 😀
Aber jetzt erstmal – auf Wiederhören.
Eure Lisa ♡
