Neues von der Kanadafront

Ich bin bereits bei meiner neuen HelpX-Stelle in Reaboro angekommen. Und obwohl ich gerade erst eingezogen bin, hab ich schon das ein oder andere hier gelernt 🙂

Aber bevor ich mein Wissen mit euch teile, muss ich nochmal kurz bisschen ausholen und von Philip und Louise nochmal erzählen.

Randnotiz: Alle Fotos die hier jetzt gepostet werden, sind aufgrund „Floooooriiiaaaaaann? (französisch aussprechen) Could you pleeeeeaaasseee take a picture for me?“, entstanden. 😀 Ob ich ihn damit genervt hab? – Vielleicht, ich hatte aber halt nie mein Handy dabei.. :p
Vermutlich hat er mit Absicht manchmal das „for“ mit „from“ verwechselt. Die Bilder enthalte ich euch aber besser. Die sind alles andere als Internet tauglich.

Ein weiterer Helfer hatte sich noch angekündigt, allerdings wusste das niemand außer Philip, der aber unterwegs war. Daher war es etwas chaotisch und letzendlich bin ich dann los um ihn abzuholen. Louise wollte mitfahren, aus dem wurd aber nix, weil ich mein Bett im Auto noch nicht verräumt hatte, demnach musste ich also alleine los.

Ziemlich schnell hab ich für mich rausgefunden, dass ich mit dem neuen Helfer nicht auf einer Welle schwimme. Er is gänzlich gegen jeden geschwommen, der dort wohnte. 😀

Er war unhöflich, unsympathisch und unnütz. 😀 hahaha. Sorry. Wir haben ihn liebevoll Rosine genannt, weil keiner so genau anfangs wusste, wie sein Name ausgesprochen wurde. Und es klang nach Raisin = Rosine zu deutsch.

Statt ihn, hab ich Henne Sally als neue Freundin gewonnen. Die Freundschaft basiert aber glaub eher auf Einseitigkeit, sie wirkte nicht so entspannt, wenn ich sie auf’n Arm genommen hab.

Die 13 happy chicken suchen ein neues Zuhause. Die sind schon etwas älter, daher kannste glücklich sein, wenn du am Tag zwei Eier einsammeln kannst.
Und da sie nur in einer Hütte leben, die nicht beheizt wird, hat Philip vor sein Grundstück n Schild aufgestellt, dass man sie kostenfrei mitnehmen kann.
Ich frag mich nur, wer das überhaupt sehen sollte, weil maximal der Nachbar mal vorbei fährt. 😀 – oh man, ich hoffe, dass irgendwer sie noch mitnimmt. Andernfalls erwischt sie wohl die kanadische Kälte früher oder später. Hätte ich können, hätt ich sie in Susi verfrachtet und mit Richtung Toronto genommen.

Jetzt aber zu etwas coolerem:

Wir hatten nen Tag frei, weil Philip und Louise außer Haus waren und Florian, 26-jähriger Franzose, Mechaniker, und ich haben auf der „verrückten Farm“ einige zurück gebliebenen Schneemobile entdeckt. Ich hab Philip gefragt, ob wir eins an unserem freien Tag fixen können. Erst war er der Meinung..jaaa klar, macht ruhig. Schien, als wär er happy, wenn sich endlich mal jemand drum kümmert. Dann kam der Tag der Tage und meinte, dass wir den Schlüssel noch bräuchten für die Farm. Dann hatte sich seine Meinung schlagartig geändert. Er hat uns gebeten damit zu warten bis er wieder zurück is. Naaaaaa toll.

Stattdessen haben Florian, ich und Rosine den See ausgetestet. Ob man wohl schon aufs Eis drauf kann. NEIN, definitiv nein. 😀

Florian hat mir nen ziemlichen Schrecken eingejagt, weil er am Rand entlang gegangen is und ums Eck. Ich habs nur knacken hören, konnt ihn aber nichr mehr sehen und auf meine Rufe hat er auch nicht reagiert. Er is aber glückselig irgendwann n Stück weiter ausm Gebüsch gekrochen gekommen.

Das knacken war’n großer Ast. Man hab ich ihn geschimpft.

Philip hatte dann die blühende Idee, dass wir doch ne Hütte auf seinem Grundstück bauen könnten. Bräuchte er sowieso. Um seinen Traktor, Motorad und Kleinigkeiten zu fixen um mit dem Hausbau auf der Farm anzufangen, wo er mit Louise dann einziehen möchte. 😀

Leider war’s utopisch, die Hütte binnen einer Woche zu bauen, weil wir den Rotz erstmal begradigen mussten.

Wir hatten sooo viel Schotter. Und das war wahrlich kein Zuckerschlecken. Wir haben paar Tage damit verbracht die Fläche ordentlich her zu richten.

Immerhin hab ich jetzt gelernt, wie man ne kack Fläche begradigt, nen Rahmen baut, dann jegliche Bretter integriert und hier die Isolierung einsetzt. Ich hätte es wirklich so so sooo gerne mit fertig gebaut..Das ärgert mich etwas. Sehr.

Ich hab aber angekündigt, dass ich auf der Durchreise von Ost nach West nochmal paar Tage vorbei kommen werd. Ich möcht den Schuppen gern streichen. Das is nämlich der Lisa-Schuppen. Damit sich Philip auch schön für immer an mich erinnern kann. 😀

Ich liebe übrigens Sägespäne. Ich hätte mal Schreiner oder sowas werden sollen. Ich liebe Holz. 😀

Das hat so Spaß gemacht, in den Spänen zu sitzen und nach Anzündholz zu suchen.

OOOHHHHHH, dadurch, dass wir dann fünf Helfer waren, allerdings nur vier Sitzplätze im Truck hatten, is es gang und gäbe, dass man einfach im Kofferaum n Gartenstuhl hinstellt. Sieht instabiler aus, als es tatsächlich is. Also safe is was anderes und gut, dass da keine Polizei rumlungert..

Und noch was: wir waren mal brunchen. Das war ein Schweizer Restaurant. Das Brot sah sooooo gut aus. Das war aber so trocken, das konnte man schier nicht schlucken. – ähnlich wie meine Peanutbutter-Kekse übrigens, die ich da neulich mal gebacken hab. Oh, haben die für Lacher gesorgt. Herrje. Ich glaub das bleibt dene für immer im Hirn stecken. Im wahrsten Sinne. 😀

Was ich aber nach ca. 20 Jahren mal wieder gegessen hab? FROOTLOOPS!

Rosine meinte, ihm tut es leid, dass ich ne traurige Kindheit hatte, weil ich die damals essen musste. Spackmat eh.

Philip hat mich zum glücklichsten 26-jährigen Mädl gemacht. Er hat im Supermarkt Frootloops gekauft und hat sie mir geschenkt. Philip meinte, ich wär n billiges Date, ich sei einfach zu begeistern. 😀

Und ratet mal, wer am nächsten morgen MEINE Frootloops probiert hat und mit seinem Schmatzen alle am Tisch sitzenden genervt hat? Richtig – Rosine. Ich konnte es mir nicht verkneifen, ich musste was sagen. Philip war mir dankbar. 😀

Als ich gefahren bin, war ich auch etwas traurig. Das war so ne schöne Zeit – abgesehen von dem nervigen, unsympathishen Kerl. Ich hab’s wirklich genossen dort zu wohnen. Hatte viel Spaß, super Gespräche mit Philip im Auto. Hab einiges gelernt – glaube ich. 😀

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich die Erfahrung machen konnte und liebe Menschen kennengelernt hab. 🙂

Klein Lisa wird erwachsen und weise. 😀

Nachdem ich paar Tage in Toronto rumgelungert hab, hab ich zum ersten Mal Mitfahrgelegenheit in Kanada angeboten und hatte nen indischen Kerl, 18 Jahre, aufgegabelt und bis vor die Haustür gefahren. Das war mir nicht klar, da ich aber noch kein Internet aufm Handy hatte und blöderweise den richtigen Abschnitt auf Google Maps nicht runtergeladen hatte, um es offline nutzen zu können, hatte er die Zügel in die Hand genommen. Ich hatte angemerkt, dass ich keinen all zu großen Umweg fahren möchte, weil ich ja wieder zurück auf die Autobahn fahr. Jaaaa, kein Problem. Ende vom Lied: Er hatte kein Cash dabei, mir gesagt, ich soll mich melden, sobald ich mein online banking freigeschaltet habe und soll mir keine Sorgen machen, er wird schon bezahlen. Super, danke. 😀

Was ich nicht mehr machen werde: Jemanden mitnehmen, der kein Cash dabei hat und keinen mehr in Cornwall absetzen. Der Umweg hat mich ne ganze Stunde gekostet.

Meine Nachrichten an ihn hatte er erstmal nich gelesen. Bis ich seine Schwester kontaktiert hab, dass sie ihm doch bitte ausrichten soll, dass er mir noch Geld überweisen soll. Glück für ihn, dass er bezahlt hat. Theoretisch weiß ich nämlich wo er wohnt. (Dass ich keinen Orientierungssinn habe, weiß er ja nicht…)

Jordan wusste das ich irgendwann wieder kommen werde, allerdings nicht genau wann. Herrje is er ausgerastet vor Freude, als ich geklingelt hab. 😀
Und als er nach drei Tagen realisiert hat, dass ich am nächsten Tag wieder abziehe, klebte er regelrecht an mir und wollte 100%-ige Aufmerksamkeit. 😀
Züüüßßßß odaaa? 😀

Allerdings hat sich die Fahrt nich sooooo arg gelohnt, musste aber sein, weil ich ja meinen Termin hatte, um meinen kanadischen Führerschein zu ergattern.

Auf meine heißbegehrte Sozialversicherungsnummer warte ich noch immer (viele Work and Traveler schließen die Formalien vor Ort ab und erhalten ihre Nummer: Ich hingegen warte seit fünf Wochen darauf).

Meine Kreditkarte ist freigeschaltet, konnte sie aber neulich beim Ausleihen vom Fahrrad aus unersichtlichen Gründen nicht nutzen. Himmel sei Dank, dass die Freischaltung jedenfalls für mein neuen Handyvertrag gereicht hat. ENDLICH.

Führerschein hat auch soweit alles geklappt. Ich hoffe nur, dass mein Foto nicht so aussieht, wie das fürs medical exam, welches ich im Walmart hab schießen lassen.

Die Dame hat nämlich auch nur einen Schuss getätigt und mir das Endergebnis nicht gezeigt, hat’s auch nur mit nem „it is good“ abgesegnet. 😀
We will see……

Mein letzter Punkt auf der To Do Liste war dann noch, meinen Lebenslauf zu aktualiseren – Handynummer zum 3. Mal austauschen – und zu drucken.

Wieder ab nach Toronto. Diesmal mit zwei Französinnen im Gepäck. Die Bargeld in der Tasche hatten und ich das A und B entschieden hab. 😀

Das Kapitel endet damit, dass ich in Toronto mit meinen Lebensläufen in der Tasche von A nach B geirrt, geradlt und gelaufen bin.
Die Frage is nur, wie erfolgreich hiermit fahre. 99% der Lebensläufe sind in Hostels gelandet, damit ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlage – Arbeit und Dach über’m Kopf.
87% suchen aktuell keinen neuen Mitarbeiter ab Januar. 8 Bewerbungen hab ich eingereicht. 😀 Wisst a bescheid. Good luck girl eh 😀

Irgendwas wirds sich hoffentlich noch ergeben. Ich warte seit zwei Tagen auf’n Anruf von ner Mutti, die mich angeschrieben hat, weil sie ab Januar ne au pair position für mich hätten. Wo ich wohnen kann und Geld verdiene.

Was will ich mehr? Außer den Anruf und die Stelle..

Das is das erste Mal seit langem, dass ich wieder ziiiiiiemlich ziemlich planlos bin und keinen Dunst davon hab, wie ich die Tage vom 22. Dezember bis Mitte März verbringe. 😀
Hat mich auch schon die ein oder andere Träne gekostet. Weihnachten steht vor der Tür, da kann man mal rührselig werden, oder?

Ich sammel schon Notizen für meine nächsten Ahornanekdoten. Mein nächster Eintrag wird ziemlich interessant – also dran bleiben Leute!

Viel Liebe an euch! Und happy Nikolaustag, lasst euch nicht von den Klausen treiben. :p

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