ich melde mich aus dem verschneiten Magnetawan. Somewhere in the nowhere.
Ich durfte allerdings schon die erste HelpX Erfahrung anderweitig machen. – Vielleicht kurz erklärt: HelpX ist eine offizielle Seite, auf der ich jegliche Farmen/Homestays/Cottages/Hosts im Allgemeinen finden kann, wo ich also ein Dach übern Kopf, ein Bett und Nahrung zur Verfügung gestellt bekomme. Im Austausch dazu „arbeite“ ich. 😀
Also…..meinen ersten Eindruck von HelpX erzähl ich euch hier mal. Ich wurde angeschrieben, dass ich wohl perfekt auf eine Farm passen würde. Da ich mich aber bis einschließlich Dezember bereits abgesichert habe und weiß, wo ich unterkomme, hab ich gesagt, dass ich für Februar zur Verfügung stehe (Januar war geplant richtiges Geld zu verdienen).
Die Farm ist in der Nähe von Ottawa, also hatten wir ausgemacht, dass ich auf meinem Weg von Montréal nach Toronto auf’n Sprung vorbei komme und ich mich kurz vorstelle.
Als ich ankam, war der Besitzer nicht answesend, allerdings zwei von drei Helpern, die mir allerdings sagten, dass sie davon ausgegangen sind, dass ich von jetzt bis einschließlich Februar bleiben werde. 😀 OK. Es besteht also Redebedarf, sobald er von der Arbeit nach Hause kommt.
Er ist Deutscher wie sich dann herausgestellt hat. Und er hatte meine klipp und klare Ansage von „just a short stop over“ offensichtlich missverstanden. Und ich hab mich noch nie in meinem Leben SO unwohl bei jemandem gefühlt. Ich dachte, er wird mir erklären, wo/wie/was zu erledigen sei oder generelle Informationen. Meine Frage, ob ich über Nacht bleibe, oder was sein Plan sei, wurde zwei Mal ignoriert. Nachdem wir gegessen haben – wobei mir aufgefallen ist, dass er sehr undankbar ist und sich nicht mal bedankt hatte, dass für ihn gekocht wurde – wurde ich mit einer Helperin aus der Schweiz alleine gelassen. Er hatte nichts gesagt wohin er geht oder was jetzt Phase sei. Ich hab mich so unwillkommen gefühlt. Die Fahrt nach Toronto wäre vier Stunden gewesen. Aber ob ich nun bei ihm auf’m Hof oder irgendwo auf’m Weg nach Toronto oder sogar in Toronto schlafe, wär ja egal gewesen. Nachdem ich mich mit der Schweizerin ganz nett unerhalten habe und bessere bzw. mein erster Eindruck durch sie bestätigt wurde, habe ich mich entschlossen, noch an dem selben Abend abzuziehen. Als er iiiiiiiiirgendwann wieder rein kam, hab ich ihm gesagt, dass ich wieder fahren werde und er hatte nicht mal den Anstand mich zur Tür zu begleiten. Er hatte mir so ein ekliges Gefühl gegeben. Ich war so glücklich, dass wir uns missverstanden haben und ich so also einen Eindruck gewinnen konnte und jetzt sicher weiß, dass ich im Februar NICHT dorthin zurück gehen werde.
Paar Tage später, hatte ich ihm eine höfliche Absage geschrieben, kurz erklärt, dass ich mich nicht damit wohlgefühlt hab, wie das abgelaufen ist. Als Antwort kam nur, dass er heilfroh sei, dass ich das sage, da er das Gefühl hatte, dass ich nicht auf die Farm passe. Alles klar. 😀
Naja, nu bin ich hier in Magnetawan und stelle wieder mal fest, dass Kanadier äußerst freundlich und warmherzig sind.
Als ich hier letzte Woche (4.11) auf der Suche nach dem Cottage war – da das GPS mich weiter geführt hatte, als es sollte – bin ich erstmal bei einer anderen Familie angekommen. Zum Glück kennt hier immer irgendwer irgendwen, sodass mir einer davon sagen konnte, dass Philip n Stück zurück in einem blauen Cottage wohnt. Also auf auf. Hier wurde ich sehr herzlich empfangen. Mir wurde gleich im Voraus gesagt, dass hier kein Platz für Schüchternheit sei. 😀
Mittlerweile kann ich auch schon ganz gut frech auf englisch sein. :p Ich fühl mich hier wirklich wohl. Wir haben ne Menge Spaß. 🙂
Allerdings muss ich mich auch hier wieder erst mal dran gewöhnen, dass das Arbeitspensum n anderes is. Ein gemütliches.
Hier auf’m Cottage ist nicht so viel geboten. Lediglich mal Holzscheite ins Haus tragen, damit wir den Ofen weiter feuern können. Bisschen die Hühnis betüdeln, aber das wars dann schon. 😀
Philip hat noch eine „Farm“, ca 25km weit entfernt. Als wir das erste Mal dorthin sind, hatte ich mich schon gefreut, wurde aber schnell auf’n Boden zurück geholt, dass ich keine richtige Farm erwarten soll. Aber da wartet wenigstens Arbeit. 🙂
Philip liebt es auf Auktionen zu gehen. Dementsprechend sieht sein Grundstück auch aus. 😀
Von alten Kühlschränken, Öfen, Schneemobilen (die Frage ist, ob die tatsächlich funktionieren. Das wär natürlich richtig cool!!), ein alter Bus oder auch Autos, in denen schon das Unkraut wächst, ist alles dabei. 😀

Er hat Äpfelbäume und Plaumenbäume angepflanzt. Auf unserer To Do Liste steht also, dass wir die frischen Bäumchen mit nem Zaun umrunden, damit die sicher von Elchen und Rehen sind.
Den Zaun hat er natürlich auf ner Auktion erstanden, leider nicht genug, um den gesamten Bereich zu umzäunen. 😀 demnach steht da bis jetzt nur ein ¾ von uns aufgestellter Zaun.
Außerdem haben wir einige Bäume noch gefällt, klein geschnitten und gestapelt. Bei einem der Bäume hat Philip nicht darauf geachtet und hat einen Teil unseres mühselig errichteten Zauns zerstört. Mit einem „oh well, too bad, eh“ wurde es abgenickt. 😀
Ein anderer Baum war ziemlich morsch, die Fallrichtung wurde falsch geschätzt und is direkt auf eines seiner Hütten gestürzt. Aber auch hierbei wurde kein Drama gemacht. 😀
Philip hat immer eine Geschichte parat. Er is der perfekte Geschichtenerzähler. Er sieht aus wie der Weihnachtsmann und hat dazu ne angenehme Stimme. Überraschenderweise auch eine sehr klare Aussprache. 😀 Bin ich bei Männern mit Bart definitiv nicht gewohnt.
Seine Frau hingegen ist manchmal etwas schwieriger zu verstehen.
Ausnahmen bestätigen die Regel, ge.
Neulich, als wir „frei“ hatten, bin ich zu einem See gefahren, der Lake Bernard. Hat sich aber irgendwie nicht sonderlich gelohnt, die 30 minütige Fahrt.
Ich hatte es in meiner Wanderapp gesehen und dachte, ich kann um den See wandern. Der Weg war jetzt aber nicht unbedingt das, was ich mir vorgestellt hatte. Du hast nicht wirklich n guten Blick auf den See und läufst nur auf einer Straße für 25km.
Naja, immerhin hab ich jetzt den weltweit größten Süßwassersee (ohne Inseln!) gesehen.




ironischerweise ist das auf den Bildern gar nicht der See, sondern ein danebenliegender. 😀

A propos Wasser, Philip hat mich eines Besseren belehrt. Kanadier zahlen nämlich durchaus für den Wasserverbrauch!
Tut mir leid, dass ich in meinem „kurz und knackig“ Post vom 11.10 eine Fehlinformation verbreitet hab! Ich werd in Zukunft nur noch auf das Wissen eines Kanadiers vertrauen, nicht auf das der Deutschen.
Viel mehr kann ich tatsächlich gar nicht aus meinem Nähkästchen plaudern.
Ach doch, ich hab mir selbst ein Stichwort gegeben! 😀 Danke Lisa. 😀
Ich werde mit Louise, Philips Frau, zum Strick-Club gehen. Mal sehen ob ich einen Schal, Socken oder doch nur einen Topflappen sticken werde.
Ich glaub ich back jetzt paar Cookies, ich muss mich irgendwie beschäftigen.
…Is ja nicht so, dass ich endlich mal mein Motivationsschreiben für eine Bewerbung schreiben sollte.
Aber backen macht mehr Spaß!
Tschööööö Leutis 🙂
P.S.: Ich kleiner Touri hab’s endlich zu den weltbekannten Niagarafällen geschafft. Ich hab ne Bustouritour gebucht.




Inkludiert war ne Weinverkostung. Ich dachte, das wir die Weinprobe nach den Wasserfällen machen, sprich am Nachmittag, dem war aber nicht so. Das war ne harte Nuss, weil ich nicht gefrühstückt hatte, da ich um 8 Uhr morgens aufgegabelt wurde. Also war mein Frühstück n halbes Glas Weiß- und n halbes Glas Rotwein. 😀 Und weil das noch nicht genug war, hab ich für 2$ Eiswein probiert. Eiswein ist ziemlich teuer im Vergleich (eine Flasche Weißwein: 15$+TAX, eine Flasche Eiswein: 45$+TAX). Die Trauben werden also nicht wie üblich im Herbst gepflückt und weiterverarbeitet, sondern bleiben hängen und genießen die Eiszeit Kanadas. 😀 Was das ganze so teuer macht, fragt ihr euch? Aus einer gefrorenen Traube bekommt man lediglich einen Tropfen Wein. Die Mathematiker unter euch….Steffen?….können es gerne selbst ausrechnen. :p




Ein Gedanke zu „First Experience“